Zwei Männer in Anzügen stehen nebeneinander auf einer Bühne, einer hält eine Auszeichnung und ein rotes Dokument.

Rund 100 Teilnehmende und Mitwirkende haben den Weg nach Oberbayern ins südlichste Staatsgestüt Deutschlands gefunden. Foto: Hubert Fischer

Am 18. und 19. April 2026 brachten die Fachtage des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten rund 105 Teilnehmende und Mitwirkende im Haupt- und Landgestüt Schwaiganger sowie im Tagungshotel Alpenblick in Ohlstadt zusammen. Praxis, Fachvorträge und interdisziplinärer Austausch prägten die Veranstaltung.

Unter dem Motto „Kommunikation verbindet“ boten die Fachtage, die turnusmäßig alle zwei Jahre stattfinden, eine gelungene Verbindung aus Praxis, fachlichem Austausch und Diskussion. Vorträge, Paneldiskussionen und eine praxisnahe Demonstration eröffneten Raum für unterschiedliche Perspektiven sowie einen interdisziplinären und internationalen Dialog.

Zum Start stand eine Gestütsführung im Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit Landstallmeisterin Cornelia Back auf der Agenda.

Bei bestem Wetter zählte die Gestütsführung mit Landstallmeisterin Cornelia Back zu den Hightlights der Fachtage. Foto: Hubert Fischer

Im Anschluss zeigte die Praxisdemonstration „Vom Bewegungsimpuls zur Alltagskompetenz“ unter der Leitung von Corinna Wagner und Christina Wagner exemplarisch, wie ein Kind mit Zerebralparese im interdisziplinären Therapieprozess mit dem Pferd begleitet wird – unterstützt durch den Gestütshengst Cotton Eye Joe. Der bayerische Warmbluthengst, geboren 2004, befindet sich im Besitz des Haupt- und Landgestüts Schwaiganger und ist seit 2008 gemeinsam mit Corinna Wagner regelmäßig im Hippotherapie-Einsatz. Sein ausgeglichenes, freundliches und nervenstarkes Wesen ermöglicht eine verlässliche Arbeit in der pferdgestützten Therapie.

Praxisdemonstration “Vom Bewegungsimpuls zur Alltagskompetenz”: Corinna Wagner und Christina Wagner zeigten im interdisziplinären Therapieprozess von pferdgestützer Physiotherapie – Hippotherapie (DKThR)® und pferdgestützter Ergotherapie, wie ein Kind mit Zerebralparese mit dem Pferd begleitet wird – unterstützt von Gestütshengst Cotton Eye Joe . Foto: Hubert Fischer

Eine Möhre für Cotton Eye Joe: Der 2004 geborene bayerische Warmbluthengst vom Haupt- und Landgestüt Schwaiganger ist als Probierhengst und Lehrpferd im Einsatz – seit 2008 auch wöchentlich in der Hippotherapie mit Corinna Wagner. Foto: Hubert Fischer

Am Samstagnachmittag standen zwei Paneldiskussionen im Mittelpunkt. Im Panel „Gesund wirtschaften“ diskutierten Thesy Feichtinger-Zrost (Österreichisches Kuratorium für Therapeutisches Reiten), Robert Portmann (Schweizer Gruppe Therapeutisches Reiten), Inke Grauenhorst und Marion Drache (beide DKThR) über Finanzierungsmöglichkeiten der pferdgestützen Therapie und Förderung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen sind und welche Bedeutung Vernetzung und gemeinsame Strategien haben.

Das zweite Panel „Leib – seelische Traumatisierungen und der therapeutische Beitrag der Pferde“ beleuchtete die Rolle pferdgestützter Interventionen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen. Vertreterinnen aus Traumapädagogik, Ergotherapie, Physiotherapie, Psychotherapie und (Heil-)Pädagogik – darunter Susanne Tarabochia, Christina Wagner, Corinna Wagner, Birgit Heintz, Inke Grauenhorst sowie Roswitha Zink brachten ihre Perspektiven ein und zeigten eindrucksvoll die zentrale Bedeutung des Pferdes in diesem Kontext.

Abgerundet wurde der Tag durch ein Grußwort von Dr. med. Matthias Vogel, Chefarzt des Zentrums für Rückenmarksverletzte an der BG Unfallklinik Murnau. Er würdigte 25 Jahre Zusammenarbeit in der pferdgestützten Physiotherapie/Hippotherapie (DKThR)® im Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit der DKThR-Fachkraft Corinna Wagner.

DKThR-Fachkraft Corinna Wagner und Dr. med. Matthias Vogel, Chefarzt des Zentrums für Rückenmarksverletzte an der BG Unfallklinik Murnau: Gratulation zu 25 Jahren Zusammenarbeit in der pferdgestützten Physiotherapie/Hippotherapie (DKThR)® im Haupt- und Landgestüt Schwaiganger. Foto: Elke Lindner-Trumpp 

Am Sonntag fand die Mitgliederversammlung des DKThR statt, eingebettet in das Tagungsprogramm. Im Anschluss hielt Roswitha Zink vom Lichtblickhof in Wien einen bewegenden Vortrag zum Thema „Pferde und Menschen in Hospizarbeit, Therapie und Forschung“.

Der Vortrag von Roswitha Zink vom Lichtblickhof in Wien war sehr bewegend. Thema: „Pferde und Menschen in Hospizarbeit, Therapie und Forschung“. Foto: Elke Lindner-Trumpp 

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Dialog und Rückblick unter dem Titel „Wagner & Wagner ziehen Bilanz“, gestaltet von den DKThR-Fachkräften Corinna Wagner und Christina Wagner.

Die Fachtage waren geprägt von intensivem fachlichem Austausch, interdisziplinärer Zusammenarbeit und persönlicher Begegnung. Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet sowie internationale Gäste trugen zu einer vielfältigen und lebendigen Veranstaltung bei. Besonders hervorzuheben ist die Teilnahme des Österreichischen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten (OKTR) und der Schweizer Gruppe Therapeutisches Reiten (SG-TR).

Im Rahmen der Fachtage wurde zudem die Gründung eines Fachbeirats für pferdgestützte Therapie, Förderung und den Pferdesport für Menschen mit Behinderung im Bayerischer Reit- und Fahrverband e.V. vorgestellt.

In Gründung: Fachbeirat für pferdgestützte Therapie, Förderung und den Pferdesport für Menschen mit Behinderung im Bayerischen Reit- und Fahrverband e.V.; abgebildet sind Gründungsmitglieder und DKThR-Vertretungen (nicht vollständig). Von links: Sabine Schallmoser, Barbara Ebert, Nicole Wilfinger, Klaus Ebert, Dr. Jan Holger Holtschmit, Katja Süß und Uwe Kaplirz zu Sulewicz. Foto: Elke Lindner-Trumpp

Die DKThR-Fachtage haben erneut gezeigt, wie wichtig Austausch, Vernetzung und gemeinsame Weiterentwicklung in der pferdgestützten Therapie, Förderung und im Pferdesport für Menschen mit Behinderung sind.

Am Brunnen vor dem Hauptgebäude (von links): Uwe Kaplirz zu Sulewicz, Elke Lindner-Trumpp, Dr. Jan Holger Holtschmit, Marion Drache, Cornelia Back, Anna Auf der Landwehr, Ramona Wollert und Dirk Baum. Foto: Hubert Fischer

Das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten (DKThR) mit Sitz in Warendorf (NRW) ist der Bundesfachverband für pferdgestützte Therapie, Förderung und den Pferdesport für Menschen mit Behinderung. Der Verband vereint Fachkompetenzen aus Medizin, Psychotherapie, Psychologie, Pädagogik und Sport. Er wurde 1970 gegründet und ist die zentrale Anlaufstelle für Fragen in diesem Bereich, steht für Qualitätssicherung und ist zudem Anbieter von Weiterbildungen.

Text: Elke Lindner-Trumpp, DKThR